Man muss es den Amerikanern lassen: Wenn es um Flexibilität im Umgang mit ihren eigenen Prinzipien geht, sind sie Weltmeister. Kaum steigen die Ölpreise nach dem Krieg gegen den Iran in ungesunde Höhen, wird aus dem „Schurkenstaat“ über Nacht ein freundlicher Lieferant, zumindest für 30 Tage und ausschließlich für Öl, das schon auf hoher See schaukelt. Willkommen in der moralischen Black-Friday-Woche der US-Außenpolitik, in der Sanktionen nicht fest gemeißelt, sondern bestenfalls mit wasserlöslichem Filzstift geschrieben werden.
Sanktionen? Aber bitte mit Ausnahmen!
Da sitzt also das US-Finanzministerium in Washington und rechnet nach: 140 Millionen Barrel iranisches Öl dümpeln auf Tankern vor sich hin, während der Preis an der Zapfsäule so bedrohlich steigt, dass sogar patriotische SUV-Fahrer ins Schwitzen geraten. Die Lösung? Man ruft die große Sanktions-Tombola aus: Für alle, die schnell genug waren und ihr Öl noch vor dem 20. März verladen haben, gibt es eine exklusive Ausnahmegenehmigung! Herzlichen Glückwunsch, Sie sind dabei – aber nur bis zum 19. April. Danach ist wieder Schluss mit lustig, zumindest bis zum nächsten Preisschock.
Von Schurken zu Partnern in 30 Tagen
Vor wenigen Wochen war iranisches Öl noch das schwarze Gold des Bösen, jeder Tropfen ein direkter Beitrag zur Finanzierung von Terror und Unruhe im Nahen Osten. Jetzt hingegen fließt es wieder gen Asien, als wäre nie etwas gewesen. Der Trick ist so alt wie die Geopolitik selbst: Was gestern noch moralisch verwerflich war, ist heute plötzlich systemrelevant für die Stabilität westlicher Wohnzimmerheizungen.
Und damit keiner denkt, es ginge hier etwa um Doppelmoral, betont Finanzminister Scott Bessent medienwirksam: Es handle sich nur um bereits verladenes Öl! Frisch abgefülltes Teufelszeug bleibt natürlich weiterhin streng verboten – schließlich soll ja niemand auf die Idee kommen, Prinzipien seien käuflich.
Der Iran spielt nicht mit
Doch der böse Bube will nicht so recht mitspielen: Das iranische Ölministerium erklärt trocken, man habe „derzeit keine überschüssigen Rohölvorräte“. Die amerikanische Ausnahmegenehmigung sei lediglich dazu da, „den Käufern Hoffnung zu machen“. Mit anderen Worten: Wer jetzt noch hofft, einen Schnäppchen-Deal zu landen, hat wohl zu viel Fox News geschaut.
Das Nadelöhr Hormus – Stau auf hoher See
Währenddessen herrscht rund um die Straße von Hormus Verkehrschaos deluxe. Normalerweise quetschen sich hier täglich Millionen Barrel Öl durch die Meerenge zwischen Persischem Golf und Golf von Oman. Doch seit dem Krieg ist dort tote Hose – kein Wunder, dass die Preise explodieren und der freie Westen nervös auf seine Energierechnungen starrt.
US-Präsident Donald Trump (ja, er ist immer noch da) ruft zum internationalen Tanker-Schutzbündnis auf: Wer durch Hormus will, soll doch bitte gleich seine eigene Fregatte mitschicken! Oder wenigstens einen Brief an Santa schicken – vielleicht bringt der ja pünktlich zu Ostern ein paar Barrel mehr.
Prinzipien unter Vorbehalt – oder: Die Moral von der Geschichte
Die Lektion dieses geopolitischen Slapsticks? Prinzipientreue ist schön und gut – solange sie nicht an den eigenen Geldbeutel geht. Sobald aber der Preis für den Liter Super auf bedrohliche Höhen klettert und die Wiederwahl gefährdet ist, werden Sanktionen eben wie Rabattmarken gehandhabt: Sammeln, einlösen und bei Bedarf gegen Frust an der Zapfsäule eintauschen.
Dasselbe Spiel übrigens auch mit russischem Öl: Unter Protest der Ukraine und anderer braver Partner werden Sanktionen gelockert – solange es dem eigenen Wohlstand dient. Solidarität? Ja klar! Aber bitte erst nach dem nächsten Tankstopp.
Doppelmoral als Exportartikel
So funktioniert moderne Außenpolitik made in USA: Heute Embargo-Prophet, morgen Großabnehmer; gestern Moralapostel, heute Rabattjäger auf dem Weltmarkt für Kriegsöl. Wer braucht schon Glaubwürdigkeit, wenn man stattdessen billigen Sprit haben kann?
Die Welt schaut kopfschüttelnd zu – und weiß spätestens jetzt: In Washington sind Prinzipien eben keine Werte mehr, sondern Sonderangebote mit Ablaufdatum.
Ende der Durchsage – bitte weiterfahren.


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