Friedrich Merz kritisiert Donald Trump für Eskalation im Irankrieg. Das wäre fast beeindruckend, wenn es nicht ausgerechnet von jenem Mann käme, der selbst in der Kritik noch den unterwürfigen Beifahrer gibt. Deutschlands Kanzler schafft das Kunststück, zugleich besorgt zu klingen, schwach zu wirken und die nächste Mitwirkung schon vorsorglich anzubieten.
Es gibt Politiker, bei denen man sich fragt, warum sie noch ernst genommen werden. Und dann gibt es Friedrich Merz, bei dem man sich fragt, warum überhaupt noch jemand überrascht ist.
Nun also hat der Kanzler Donald Trump wegen dessen Vorgehen im Irankrieg kritisiert. Trump betreibe keine Deeskalation, sondern eine „massive Eskalation mit offenem Ausgang“, sagt Merz. Donnerwetter. Der Mann hat offenbar entdeckt, dass Bomben nicht der diplomatische Flügel des Völkerrechts sind.
Nur leider bleibt auch diese Erkenntnis bei ihm auf jenem unerquicklich niedrigen Niveau hängen, das seine gesamte politische Existenz kennzeichnet: zu spät, zu weich, zu folgenlos und am Ende doch wieder geschniegelt in Richtung Unterordnung.
Merz klingt in solchen Momenten wie ein Buchhalter, der sich beschwert, dass das Haus brennt, während er gleichzeitig fragt, ob er beim Nachlegen des Brennholzes helfen soll.
Der Mann fürs entschlossene Herumeiern
Friedrich Merz ist ein Spezialist für eine ganz eigene politische Disziplin: das entschlossene Herumeiern. Er kann streng schauen, ohne klar zu werden. Er kann warnen, ohne Konsequenzen zu ziehen. Er kann Kritik formulieren, die in Wahrheit nur das Vorzimmer der späteren Zustimmung ist.
Genau das liefert er jetzt wieder ab.
Er sagt, die Amerikaner und Israelis verstrickten sich jeden Tag tiefer in den Konflikt. Er sagt, ein Sturz der Führung im Iran sei historisch meist schiefgegangen. Er sagt, der offene Ausgang sei bedrohlich. Alles richtig, alles unerquicklich banal und alles politisch so mutig wie ein Regenschirm im Nieselwetter.
Denn was folgt daraus bei Merz? Nichts, was Haltung hieße. Kein klarer Bruch. Kein unmissverständliches Nein. Keine erkennbare deutsche Linie. Stattdessen das übliche Berliner Gewaber aus „Verantwortung“, „Folgen für uns alle“ und der diskreten Versicherung, dass Deutschland natürlich nicht kneifen werde, wenn irgendwo nach deutschem Personal für die geopolitische Resteverwertung gerufen wird.
Das ist keine Außenpolitik. Das ist betreutes Wegducken.
Trump kritisieren, Washington gefallen wollen
Das eigentlich Lächerliche an Merz ist ja nicht einmal, dass er Trump kritisiert. Das Lächerliche ist, wie er es tut. So geschniegelt, so vorsichtig, so geschniegelt-vorsichtig, dass man förmlich hört, wie im Kanzleramt parallel schon an der Formulierung für die spätere Relativierung gefeilt wird.
Denn Merz kritisiert Trump nie wie ein Mann, der etwas durchsetzen will. Er kritisiert ihn wie einer, der hinterher nicht missverstanden werden möchte. Es ist die Kritik eines politischen Versicherungsvertreters: möglichst bedeutungsvoll im Ton, möglichst arm an Risiko, möglichst offen für den anschließenden Kotau.
Und selbstverständlich kommt er genau deshalb sofort mit dem nächsten Angebot um die Ecke. Für die Zeit nach dem Krieg, so sagt er, habe er Trump Hilfe bei der militärischen Absicherung der Straße von Hormus zugesagt. Konkret könne er sich einen Bundeswehreinsatz zur Minenräumung vorstellen.
Merz in einem Satz: Trump eskaliert brandgefährlich — aber Deutschland steht bereit, wenn hinterher jemand den Besen halten soll.
Man muss diese Mischung aus Scheinempörung und transatlantischem Reflexgehorsam erst einmal derart ungeniert servieren.
Der Kanzler der theoretischen Kriege
Besonders köstlich wird es da, wo Merz selbst merkt, wie hohl sein Gerede klingt — und es trotzdem ausspricht.
Denn nachdem er über militärische Absicherung und Minenräumung fabuliert, schiebt er hinterher, die Straße von Hormus werde derzeit „offensichtlich gar nicht vermint“. Man diskutiere also „ziemlich theoretisch“.
Ja, hervorragend. Da steht der deutsche Kanzler, drapiert sich als ernsthafter Weltkrisenmanager, redet über Eskalation, Bedrohung und Bundeswehreinsatz — und muss dann selbst einräumen, dass sein konkretes Beispiel gerade gar keinen realen Bezug hat.
Das ist Merz in Perfektion: maximaler Ernst bei minimaler Substanz.
Eine außenpolitische Pappfigur mit der Gravitas eines PowerPoint-Vortrags.
Große Geste, leerer Kern, geschniegelt bis in die geistige Bedeutungslosigkeit.
Andere Politiker stolpern wenigstens unabsichtlich in den Widerspruch. Merz marschiert mit Anlauf hinein, richtet die Krawatte und verkauft den Zusammenprall dann als verantwortungsvolle Differenzierung.
„Das ist nicht unser Krieg“ – doch, wenn’s ans Mitmachen geht
Auch an Boris Pistorius’ Satz „Das ist nicht unser Krieg“ stört sich Merz. Das sei ihm „zu einfach“. Natürlich ist es ihm zu einfach. Klare Sätze sind für Figuren wie Merz immer ein Problem, weil Klarheit Grenzen zieht. Und Grenzen ziehen ist das Letzte, was dieser Kanzler kann oder will.
Merz liebt die politische Sumpflandschaft, in der alles irgendwie kompliziert, alles irgendwie relevant und deshalb am Ende alles irgendwie mitmachbar ist. Genau dort fühlt sich der deutsche Funktionsopportunismus seit Jahrzehnten am wohlsten.
Dann heißt es, die Folgen beträfen natürlich auch uns. Dann wird mit Raketenreichweiten hantiert. Dann wird von Verantwortung geraunt. Dann von Bündnissen. Dann von Stabilisierung. Und irgendwann hat man aus dem Satz „Das ist nicht unser Krieg“ wieder die vertraute Berliner Standardformel gemacht: „Natürlich wollen wir keinen Krieg, aber ganz heraushalten können wir uns ja auch nicht.“
Mit anderen Worten: Erst lehnt man den direkten Anteil rhetorisch ab, dann öffnet man die Hintertür, dann poliert man das moralisch auf — und am Ende steht Deutschland doch wieder geschniegelt am Rand irgendeines Konflikts und nennt das staatsmännische Vernunft.
Merz ist in dieser Disziplin kein Ausreißer. Er ist ihre Karikatur.
Die politische schwarze Null im Kanzleramt
Es ist wirklich erstaunlich, mit welcher Beharrlichkeit Friedrich Merz seit Jahren als ernsthafte Führungsfigur gehandelt wird, obwohl er bei genauer Betrachtung vor allem eines ist: eine politische schwarze Null mit gepflegtem Äußeren und dem Habitus eines Vorstandsvorsitzenden, der seine eigenen Floskeln für strategische Tiefe hält.
Er steht da, redet in dem vertrauten Tonfall des vermeintlich Überlegenen, dieser Mischung aus Oberlehrer und Aufsichtsratsvorsitzendem, und hinterlässt doch jedes Mal denselben Eindruck: ein Mann, der Wichtigkeit mit Gewicht verwechselt.
Merz hat keine Linie, er hat Anschlussverwendungen.
Merz hat keine Haltung, er hat Formulierungen.
Merz hat keinen außenpolitischen Kompass, sondern den ewigen Reflex, ja nicht dort anzuecken, wo es karriereschädlich werden könnte.
Selbst seine Kritik an Trump ist letztlich keine Position, sondern ein Balanceakt zwischen Distanzpose und Gefallsucht. Er möchte in Deutschland vernünftig erscheinen und in Washington verlässlich. Das Resultat ist ein Kanzler, der überall geschniegelt ankommt und nirgends ernsthaft führt.
Staatsmann spielen, Beifahrer bleiben
Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Da kritisiert Merz die Eskalation eines Krieges, dessen Erfolgsaussichten er selbst bezweifelt, nur um im nächsten Atemzug deutsche Hilfe für die Zeit danach anzudeuten. Das ist ungefähr so, als würde jemand vor dem Wahnsinn eines Autorennens warnen und gleichzeitig fragen, ob noch ein Platz im Begleitfahrzeug frei ist.
Es fehlt dieser Figur einfach alles, was man für echte Führung bräuchte: Klarheit, Mut, Konsequenz, Unabhängigkeit. Stattdessen bekommt man das Berliner Standardpaket für Fortgeschrittene: ernste Miene, bedeutungsschwere Sätze, null Risiko, volle Anschlussfähigkeit.
Deshalb bleibt von Merz’ Trump-Kritik auch nichts als ein schaler Nachgeschmack. Keine Entschlossenheit, keine glaubwürdige Gegenposition, kein politisches Format. Nur wieder dieser endlose deutsche Funktionsmodus: erst Stirnrunzeln, dann Mitlaufen, anschließend moralisch überhöhen.
Wer so redet, will nicht gestalten.
Wer so redet, will sich absichern.
Wer so redet, hält Außenpolitik für eine Mischung aus Verwaltungsakt, Karrierepflege und rhetorischer Notbeleuchtung.
Und genau deshalb ist die eigentliche Pointe gar nicht, dass Merz Trump kritisiert.
Die Pointe ist, dass selbst diese Kritik noch unterwürfig wirkt.
Fazit: viel Kanzlerpose, null Größe
Friedrich Merz gibt in solchen Momenten den entschlossenen Mahner. Tatsächlich ist er vor allem ein geschniegelt auftretender Verwalter der Unentschlossenheit. Ein Mann, der auch dann noch nach Gefolgschaft riecht, wenn er Widerspruch formuliert. Ein Kanzler, der aus jeder Krise zuerst ein Kommunikationsproblem macht und dann hofft, das Publikum werde seine Wortgirlanden mit Führung verwechseln.
Nein, man muss sich über seine Trump-Kritik nicht wundern.
Wundern muss man sich allenfalls darüber, dass die politische schwarze Null im Kanzleramt noch immer als ernsthafte Autorität verkauft wird.
Merz will staatsmännisch wirken.
Dabei wirkt er vor allem wie das, was er längst ist:
ein Mann für große Sätze, kleine Nerven und die ewige Bereitschaft, am Ende doch wieder den deutschen Beifahrer zu geben.










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